{"id":61,"date":"2024-09-16T15:25:53","date_gmt":"2024-09-16T15:25:53","guid":{"rendered":"https:\/\/camilleherter.com\/?p=61"},"modified":"2024-09-17T11:01:28","modified_gmt":"2024-09-17T11:01:28","slug":"los","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/camilleherter.com\/index.php\/2024\/09\/16\/los\/","title":{"rendered":"Los"},"content":{"rendered":"\n<p>An den R\u00e4ndern des Tals ragten die Felsen steil in die H\u00f6he und boten den Einheimischen jene Geborgenheit, die man nur f\u00fchlen konnte, wenn man selbst zwischen solchen Gipfeln aufgewachsen war. Unter den Zugezogenen l\u00f6ste der Anblick dagegen eine Beklemmung aus, die sie von Anfang an sp\u00fcrten, aber erst sp\u00e4t beachteten, weil sie ihre romantischen Vorstellungen von l\u00e4ndlicher Idylle nicht aufgeben wollten. Ein Dorf, dem man den bescheidenen Reichtum von einst immer noch ansah, das seine Glanzzeiten aber l\u00e4ngst hinter sich hatte, d\u00f6ste inmitten dieses Tals in einem friedlichen Schlummer.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Etwas au\u00dferhalb stand, angelehnt an den Waldrand, das untersetzte Haus mit den kleinen Fenstern und den dicken Mauern, die im Sommer die Hitze drau\u00dfen und im Winter die W\u00e4rme drinnen hielten, und die Barbara als Kind das Gef\u00fchl gegeben hatten, an keinem Ort besser gesch\u00fctzt zu sein vor den nat\u00fcrlichen und menschlichen Gewalten, die in den Bergen w\u00fcten k\u00f6nnen wie sonst nirgends. Viele Jahre sp\u00e4ter stand sie wieder vor dem gr\u00fcnen Kachelofen im Wohnzimmer und fragte sich, bedr\u00e4ngt von den massiven W\u00e4nden von Haus und Bergen, wann sie daheim zur Fremden geworden war.<\/p>\n\n\n\n<p>Der letzte Faden war wohl mit Markus gerissen. Als Barbara ihr Doktorat begonnen hatte, war Markus als Architekt in die Firma seines Vaters eingestiegen und dahin zur\u00fcckgegangen, wo er hergekommen war. Ihr war das zu weit weg von der Stadt und zu nahe an den Eltern und sie wusste: Das hatte keine Zukunft. Sie liebten sich, aber gegen getrennte Vorstellungen vom Leben kommt auch die gr\u00f6\u00dfte Liebe nicht an. Also mussten sich die Vorstellungen der Tochter \u00e4ndern, befand die Mutter.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Trennung von Markus besiegelte, was f\u00fcr alle absehbar, f\u00fcr die Mutter aber nicht akzeptabel war. Sofort hatte sie Barbara davon zu \u00fcberzeugen versucht, dass sie und Markus es noch einmal probieren sollten (\u201eIhr passt doch so gut zueinander!\u201c), hatte davon geschw\u00e4rmt, wie toll ihr Ex sei (\u201eSo einen wie ihn findest du nicht so schnell, Babsi&#8230;\u201c) und hatte ihr eine Zukunft ausgemalt (\u201eIch k\u00f6nnte ja auf die Kleinen aufpassen.\u201c), die die Mutter frohlocken, Barbara jedoch erschrecken lie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Barbara wusste, dass ihre Mutter wusste, dass sie nicht zur\u00fcckkehren wollte. Sie wusste aber auch, wie wenig sie ihre Mutter \u00fcberzeugen konnte, egal bei welchem Thema, gerade bei diesem Thema. Wie sie nun hier sa\u00df, auf Einladung zu einem Essen daheim (\u201eSo ein Abschluss will gefeiert werden!\u201c), das einem ganz anderen Zweck diente als angek\u00fcndigt (\u201eDu musst dir unbedingt die Pl\u00e4ne anschauen, die Markus gezeichnet hat.\u201c), da sp\u00fcrte sie, dass der Besuch keine Ankunft, sondern ein Abschied bedeutete.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Drau\u00dfen hockte der Hochnebel \u00fcber dem Land, das erstarrt dalag und auf den Fr\u00fchling wartete. Drinnen sa\u00df Barbara in einer Stube, in der die Zeit stillgestanden war und in der niemand au\u00dfer sie selbst einen Drang nach Ver\u00e4nderung zu sp\u00fcren schien. Als ob sie diesen Gedanken unterstreichen wollte, trat die Mutter mit einer kalten Platte aus der K\u00fcche, wie sie es in Barbaras Kindheit stets getan hatte, um die sonnt\u00e4gliche Jause aufzutragen. Geselchtes, kalter Braten und Speck t\u00fcrmten sich zwischen Keilen von verschiedenem K\u00e4se (\u201eVom Toni, wei\u00dft du. Der hat jetzt die K\u00e4serei vom Vater \u00fcbernommen.\u201c); dazwischen kleine H\u00fcgel von Kren, bei dem die Nase schon vom Weitem wohlig zu kribbeln begann, und versprengte bunte Flecken von Gem\u00fcse, mehr Dekoration als Speise. Hinter der Mutter folgte Barbaras Vater mit Butter, Senf, Preiselbeeren und einem Laib Brot, dessen zerfurchte Kruste das noch warme Innere besch\u00fctzte und sich beim Anschneiden mit einem Knuspern \u00f6ffnete.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fragen, die beim Essen auf sie einprasselten, nahmen die Antworten schon vorweg. Sie wurden gestellt in wohlmeinender Absicht (\u201eDu bist d\u00fcnn geworden. Isst du auch was Richtiges?\u201c), vermittelten jedoch das Gef\u00fchl, unter st\u00e4ndiger Beobachtung zu stehen. Eine liebende, aber auch wertende Beobachtung, die nicht f\u00fcr sich stehen mochte, sich dem anderen nicht nur mitteilen, sondern ihn von der Notwendigkeit der eigenen Sichtweise \u00fcberzeugen wollte. Eine Beobachtung, die Zuspruch verlangte, ohne Widerspruch zu ertragen und Barbara nur die Flucht in die Schweigsamkeit lie\u00df. Wieso streiten mit jemanden, der nicht aus seiner Haut konnte?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Barbaras Vater schwieg, seit er sich ans Tischende gesetzt hatte. Schwieg und schwitzte und wusste, was kommen w\u00fcrde, ohne zu wissen, was er dagegen tun konnte. Es st\u00f6rte sie weniger, dass er sich aus den Auseinandersetzungen mit ihrer Mutter raushielt, und mehr, dass sie darin sich selbst wiedererkannte: Die biedere Angepasstheit, die daf\u00fcr sorgte, ohne Widerspruch, daf\u00fcr mit dem\u00fctiger Dankbarkeit das Los zu ertragen, das einem zugeteilt wurde; die unentschlossene Feigheit, die sie Rei\u00dfaus nehmen lie\u00df vor direkter Konfrontation; die naive Hoffnung, dass die eigenen Leistungen irgendwann schon gew\u00fcrdigt w\u00fcrden, wenn man nur brav das tat, was von einem verlangt wurde. Blo\u00df hatte ihr Vater eine Biografie, die ihn f\u00fcr das entschuldigte, was er seiner Tochter mit auf den Weg gegeben hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Er war geflohen vor einem Krieg, in dem die letzte Schlacht bereits geschlagen war. Weil die Gewinner nicht wollten, dass die Verlierer zu viel zu sagen hatten, wurden diese von jenen vor eine Wahl gestellt, die keine war: aufgeben, woran man glaubte, oder aufgeben, was man hatte. Barbaras Vater entschied sich f\u00fcr Letzteres, ging fort ohne Besitz, aber mit der \u00dcberzeugung, dass der Glaube an eine Zukunft besser sei als eine Zukunft, an die man nicht mehr glauben mochte. So war er als Ingenieur aus der Heimat fortgegangen und hier angekommen als landwirtschaftliche Hilfskraft.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hoffnungen, die er in den Neubeginn setzte, wurden entt\u00e4uscht. Dem Ausl\u00e4nder ist es nicht verg\u00f6nnt, gleichberechtigt an dem teilzuhaben, was sich die Inl\u00e4nder seit Generationen weitergeben. Selbst dann nicht, wenn man, so wie Barbaras Vater, zum noch gr\u00f6\u00dferen Patrioten wird als jene, deren Familien seit jeher auf dem gleichen Fleck Erde ausgeharrt haben. Gerade dann nicht. Der Zugezogene, der die hiesige Kultur eifriger lebt als die Alteingesessenen, erobert nicht deren Herzen, sondern macht sich noch unbeliebter als der Fremde, der sich weigert, sein Erbe zu verleugnen und sich vorbehaltlos anzupassen. Denn wenn ein Dahergelaufener die Sitten und Gepflogenheiten besser zu beherrschen lernt als jene, denen sie in die Wiege gelegt wurden, dann zeigt das auch, dass nicht viel dran ist an den patriotischen Einbildungen von angeborener \u00dcberlegenheit, auf die man so stolz ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann gab Barbaras Vater auf. Er resignierte, weil er wieder, wenn auch subtiler, vor diese Wahl gestellt wurde, die keine war. Doch mittlerweile hatte er eine Frau und mit dieser eine kleine Tochter. So behielt er dieses Mal das, was er hatte, und gab daf\u00fcr das auf, woran er glaubte: dass nicht das z\u00e4hlt, was man vermacht bekommt, sondern das, was man aus sich macht.<\/p>\n\n\n\n<p>Als es dunkel geworden war, verschwanden die Eltern wieder in die K\u00fcche, um sich dem Abendessen zu widmen. W\u00e4hrend nebenan Schweinebauch mit Kn\u00f6deln und Sauerkraut zubereitet wurde, dachte Barbara im Wohnzimmer dar\u00fcber nach, was sie mit dem Abschluss in der Tasche anstellen sollte. Sie wusste, wie stolz ihr Vater auf sie war. Gerade deshalb hatte sie ihm nicht erz\u00e4hlt und w\u00fcrde ihm auch nicht erz\u00e4hlen, dass es ihr in der Hauptstadt nicht anders erging als ihm im Dorf, dass auch sie sich nicht zu wehren wusste gegen die kleinen und gro\u00dfen Gemeinheiten, die ihr zwar nicht t\u00e4glich, aber doch zu oft widerfuhren. Und sie vermochte nicht zu erkennen, gegen wen sich ihre Wut dar\u00fcber am meisten richtete: gegen ihn, das Dorf, die Stadt oder doch sie selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kommilitonen und Dozenten an der Fakult\u00e4t, Kinder von Akademikern, die selbst die Kindeskinder von Eltern mit Abschl\u00fcssen waren, wussten zwar nicht, woher sie kam, aber stets, dass sie von woanders kam. Ihr Dialekt verriet sie mit dem ersten Satz, ihre Hemds\u00e4rmeligkeit mit der ersten Geste. Am deutlichsten merkte man ihre Herkunft aber am Fehlen jenes Selbstbewusstseins, das einem eine gutb\u00fcrgerliche Erziehung jenseits finanzieller und sozialer Sorgen mit auf den Weg gibt. Der Drang, nichts Falsches zu denken, zu sagen, zu tun, sich m\u00f6glichst gut abzusichern und mit jeder Aussage zu beweisen, dass das, was sie sagte, auch Substanz hatte, verriet sie in jenen Kreisen, in denen es keine solche Absicherung braucht, weil das, was zu z\u00e4hlen hat, was wahr und was falsch ist, keine Frage der Fakten, sondern eine der Beziehungen ist. Zu wissen, welche Rolle man im filigranen Geflecht menschlicher Beziehungen zu spielen hat, das wird den einen bereits mit der Muttermilch eingefl\u00f6\u00dft, w\u00e4hrend andere es m\u00fchselig herausfinden m\u00fcssen und dann doch nur eine Antwort erhalten, die entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb n\u00fctzte es auch nichts, dass sie sich zu tarnen begann, sich richtig kleidete, richtig sprach, sich so verhielt, wie man es von denen erwartete, die etwas zu sagen hatten. Sie verriet sich, weil sie die geheimen Codes nicht zu entschl\u00fcsseln wusste, weil sie die f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich gehaltenen Anspielungen nicht verstand, weil sie die falschen Leute kannte und weil die richtigen sie nicht kennen wollten. Egal, wie sehr sie sich anstrengte, wie sehr sie sich den Regeln derjenigen unterwarf, die sie umgaben, es kamen stets neue, ungeschriebene Regeln hinzu, die ihr den Zugang zu denen verwehrten, zu denen sie geh\u00f6ren wollte.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Je verbissener Barbara in der Hauptstadt eine neue Heimat suchte, desto heftiger schien die alte wieder nach ihr zu greifen und sie dahin zur\u00fcckziehen zu wollen, woher sie gekommen war. Auch deshalb sa\u00df sie nun hier vor dem feierlich gedeckten Tisch und dem Kranz aus Tannenzweigen, von dem sie nicht wusste, ob er von der Mutter zum Feiern des Abschlusses oder zum Betrauern des Abschieds aufgestellt wurde. Die Schwarte, die krachend zwischen ihren Z\u00e4hnen zerbrach, transportierte sie in eine Zeit zur\u00fcck, in der ihr die Tiere nicht blo\u00df tot auf dem Teller, sondern auch lebendig im Stall begegnet waren. Barbara wusste, warum ihre Mutter unbedingt wollte, dass sie zur\u00fcckkam. Ja, sie liebte sie nat\u00fcrlich. Es war eine erdr\u00fcckende Liebe, aber doch: Liebe. Dennoch ging es ihrer Mutter auch darum, das Bisschen, das ihr von ihrem eigenen Erbe geblieben war, in die Zukunft zu retten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zuletzt hatte sie gehofft, hoffte noch immer, dass Barbara auf den Hof zur\u00fcckkehren und mit einer kleinen Familie heimisch werden w\u00fcrde. Aber statt etwas \u201eRechtes\u201c zu lernen und \u00c4rztin oder Agronomin zu werden, hatte sich Barbara dazu entschieden, Deutsch und Geschichte zu studieren. Und weil es zwar Mediziner und Landwirte, jedoch au\u00dferhalb der Grundschule weder Historiker noch Germanisten brauchte in der Gegend, begossen sie heute nicht nur Barbaras Abschluss, sondern a\u00dfen auch das verfr\u00fchte Leichenmahl zu Ehren des kleinen Bauernhauses, in dem sie aufgewachsen war und vor ihr ihre Mutter und davor deren Vater und vor diesem dessen Vater.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a><a><\/a><a><\/a><a><\/a><a><\/a><a><\/a> Produziert wurde auf dem Hof zwar schon l\u00e4nger nichts mehr. Schon als Barbara auf die Welt kam, war er zu klein gewesen, um noch rentabel zu sein, und zu gro\u00df, um ihn alleine zu bestellen. Trotzdem machten sie weiter, bis die Gro\u00dfmutter starb und mit ihr auch der Gro\u00dfvater aufh\u00f6rte zu leben. Stattdessen begann er, das Ersparte in den Gastst\u00e4tten der Gegend zu vertrinken, so als wollte er sicherstellen, auf keinen Fall n\u00fcchtern vor seinen Sch\u00f6pfer treten zu m\u00fcssen. Barbaras Mutter blieb irgendwann nichts anderes \u00fcbrig, als den Betrieb einzustellen, die Tiere wegzugeben und das Land zu verpachten, um die Familie \u00fcber Wasser zu halten. Den Verrat, den der Gro\u00dfvater darin sah, r\u00e4chte er mit seinem eigenen. Er starb, mit d\u00fcrrem Leib und fetter Leber, und vermachte alles, was er konnte, dem Bruder: den Wald, das verbliebene Ackerland und jenen Teil des Bodens an der Dorfgrenze, der ein Jahrzehnt sp\u00e4ter zu Bauland werden w\u00fcrde und seine Tochter \u00fcber Nacht zwar nicht reich, aber zumindest wohlhabend gemacht h\u00e4tte. Nur das Bauernhaus mit dem alten Stall war ihnen geblieben.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Barbara erlebte das in einem Alter, in dem man alles wei\u00df, aber nichts versteht von dem Schmerz und dem Streit, den die Erwachsenen vergeblich vor den Kindern zu verstecken versuchen. Danach ging sie mit der unausgesprochenen Angst durchs Leben, dass sie alles, was sie erreicht hatte, von einem Moment zum anderen wieder verlieren k\u00f6nnte. Eine Angst, die der Mutter vom Gro\u00dfvater eingepflanzt worden war, die aber erst in der Tochter zur vollen Bl\u00fcte gelangte und sich verband mit dem auf Anerkennung hoffenden Drang, es allen recht machen zu wollen, den ihr der Vater vererbt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Verm\u00e4chtnis wurde Barbara nicht los, auch wenn sie glaubte, sich losgesagt zu haben von der Enge des Dorfes und den Erfahrungen einer Jugend, die ihr heute noch das Gef\u00fchl gaben, nicht zu gen\u00fcgen. Wie sie ihrem Vater zusah, als er mit entschuldigendem Blick in die K\u00fcche verschwand, um sich um den Abwasch zu k\u00fcmmern, w\u00e4hrend ihre Mutter wieder von den Pl\u00e4nen zu reden begann, an denen Barbara kein Interesse hatte, da fragte sie sich, ob sie sich nicht etwas vort\u00e4uschte, ob sie es jemals schaffen w\u00fcrde, sich aus der Umklammerung ihres Elternhauses zu l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als sie wieder im Auto sa\u00df und ihr die vom Mondlicht und vom Schnee strahlenden Berggipfel den Weg aus dem Tal wiesen, dachte sie an diesen Satz, den sie einmal in einem Buch gelesen und seither nicht mehr vergessen hatte: Wer gl\u00fccklich werden will, muss alle entt\u00e4uschen. Sie konnte und wollte die Erwartungen ihrer Eltern nicht erf\u00fcllen. Vielleicht hie\u00df gl\u00fccklich werden aber auch, sich aus den T\u00e4uschungen herauszurei\u00dfen, die man von sich selbst hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie hatten sich die Pl\u00e4ne dann doch noch angeschaut. Nachdem die Nachspeise abgetragen war \u2013 Apfelkuchen mit Schlag, wie ihn Barbara noch immer liebte \u2013 hatte sie sich von ihrer Mutter erweichen lassen. \u201eEs dauert nur einen Augenblick, ich verspreche, dass es dir gefallen wird.\u201c Und es hatte ihr tats\u00e4chlich gefallen. Mit den Umbaupl\u00e4nen f\u00fcr den Stall, die Markus auf Bitten ihrer Mutter gezeichnet hatte, konnte man sich ein Zuhause ausmalen, das jene Geborgenheit versprach, wie sie Barbara als kleines Kind das letzte Mal gesp\u00fcrt hatte. Es war ein Anfang, der auf Altes baute, aber Neues wagte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eWillst Du nicht hierbleiben?\u201c F\u00fcr einmal hatte sie gez\u00f6gert, als die Frage kam. Dann hatte sie die Antwort gegeben, die sie immer gab (\u201eDanke, Mama, heute nicht.\u201c), jedoch kurz darauf angef\u00fcgt: \u201eEin andermal vielleicht.\u201c Ihre Mutter w\u00fcrde den Umbau nicht alleine finanzieren k\u00f6nnen, das wusste Barbara und das wusste nat\u00fcrlich auch ihre Mutter. Doch die Zukunft, von der man wei\u00df, muss nicht die Hoffnung zerst\u00f6ren auf jene, die man sich w\u00fcnscht. Manchmal reicht auch ein Plan, der nie Wirklichkeit wird, um gl\u00fccklich zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Der obenstehende Text hat von 232 Einreichungen den 2. Platz beim Literaturwettbewerb der Stadt Feldbach 2024 zum Thema &#8222;Das Verm\u00e4chtnis&#8220; belegt. Ich danke der Stadt Feldbach daf\u00fcr, dass sie diesen Wettbewerb ausgerichtet und mir damit die Motivation gegeben hat, mich mit dem Text an die \u00d6ffentlichkeit zu wagen. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An den R\u00e4ndern des Tals ragten die Felsen steil in die H\u00f6he und boten den Einheimischen jene Geborgenheit, die man nur f\u00fchlen konnte, wenn man selbst zwischen solchen Gipfeln aufgewachsen war. 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